Stadtgeschichte im Spannungsfeld

Bernburgs Weg zur frühneuzeitlichen Residenzstadt der Fürsten von Anhalt

Symbolik, Wirtschaft und Konfession als Mittel zur Durchsetzung des fürstlichen Machtanspruchs im Zeitalter der Renaissance

 

Kolloquium am 23.10.2010. Schon seit ihrer Gründung wurde die Entwicklung der Stadt Bernburg von den Fürsten von Anhalt beeinflusst. Sie waren es, die die Entstehung des Marktortes in Konkurrenz zu den benachbarten Saaleübergängen in Nienburg und Calbe als Stadtherren förderten und dafür sorgten, dass sich die beiden unabhängigen Gemeinwesen Alt- und Neustadt Bernburg im Hochmittelalter zu Städten mit eigenständiger bürgerlicher Selbstverwaltung entwickelten.

Die Blütezeit der Bürgerstadt Bernburg fiel mit der Krise des Fürstenhauses Anhalt im frühen 15. Jh. zusammen.

Als die Fürsten begannen, frühneuzeitliche Konzepte zur Konsolidierung ihrer Machtansprüche umzusetzen, kam es zur Konfrontation mit den Interessen des städtischen Bürgertums, das letztendlich unterlag. Bernburg entwickelte sich nun zur Residenzstadt und das Renaissanceschloss wurde zum Symbol des neuen askanischen Selbstverständnisses.

Von nun ab war Schloss Bernburg der zentrale Erinnerungsort des anhaltischen Fürstenhauses, dessen Architektur von der Romanik bis in das 19. Jahrhundert vom Gedanken der symbolischen Repräsentation des landesherrlichen Geschichtsbewusstseins geprägt war.

Das Schloss Bernburg stellt den einzigen Ort Anhalts dar, an dem die 800jährige Geschichte dieser Region in gebauter Form noch heute real erlebbar ist. In diesem Sinne versteht sich das Projekt „Stadtgeschichte im Spannungsfeld“ auch als Beitrag zum Jubiläum „800 Jahre Anhalt“.

Das Kolloquium möchte zur Diskussion stellen, welcher Mittel sich die Fürsten von Anhalt bedienten, um ihre Machtansprüche gegenüber dem städtischen Bürgertum durchzusetzen. Dabei werden sowohl wirtschaftliche, religiöse als auch symbolische Interaktionen betrachtet.

Ziel des Kolloquiums ist es, die Entwicklungen, die zur Herausbildung einer bedeutenden anhaltischen Residenzstadt führten, näher zu untersuchen und diese im Vergleich mit ähnlichen Vorgängen in anderen mitteldeutschen Städten zu bewerten.